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30 Januar 2007

Häppchenhighlights 06/07

Die Wintermusenhäppchen sind immer wieder ein Erlebnis. Kleine aber feine Musikdarbietungen von Studenten und Studentinnen oder Ehemaligen.

Authentisch, aufregend und außergewöhnlich, so würde ich die Musenhäppchen beschreiben. So auch dieses Jahr. Unkompliziert und ungezwungen auf grünen Flyern angepriesen. Um 20:15 geht das Licht aus und Bettina Rodenberg sagt die ersten Künstler an. Beim Einstieg wird bereits die volle Konzentration auf die Theatergruppe der EWF gerichtet, deren Schauspieler in „Sterne" subtil und vorsichtig die Geschichte über psychedelische Erfahrungen mit Drogen entspinnen. Eine Geschichte, die man sich wirklich vorstellen könnte. Authentisch und in einer klaren Sprache.

Danach geht’s weiter mit uns, Talinga Östreicher und Tom Hofmann - Klezmer, altjüdische Hochzeitsmusik.

Drei Stücke von „Yankele", dem sanften Schlaflied des kleinen Johannes oder Jan, über den coolen und verschmitzt lächelnden „Itamar Freilach" bis hin zum fröhlich ausgelassenen „Heyser Bulgar". Dann kommt Paul S. Wolff, der die Zuhörer besonders mit seinem Katastrophengedicht „Auf dem Weg zu dir" in seinen Bann zieht. Geschickt fesselt er die Zuhörer mit seiner Stimme. Historische Katastrophen vor dem inneren Auge Revue passieren lassen, sich in die Gedanken eines am Morgen noch ahnungslosen Opfers des 11. September hineintasten. Sowohl ein literarischer als auch ein akustischer Hochgenuss.

Anschließend ein altbekannter Stammgast bei den Musenhäppchen, Nikolaus Mühle, der für die Häppchen extra aus München angereist ist. Sein Auftritt ist souverän wie immer. Bei der ungarischen Rhapsodie Nr. 12 in cis-moll von Franz Liszt, die auf Zigeunerweisen basiert, zeigt er, dass er sein Handwerk versteht und schnelle Läufe sowie Sprünge auf den schwarzen und weißen Tasten perfekt meistert.

In der Pause gibt es natürlich die bewährten und äußerst beliebten Häppchen, gesponsort von der Mensa. Nebenbei kann man sich mit Freunden unterhalten und für Getränke ist ebenfalls reichlich gesorgt. Alle sind bester Laune und nach 20 Minuten kann der zweite Teil beginnen.

Eine Sprecherin trägt den Text „Die Irren“ von Thomas Bernhard vor. Dazu gibt es die passende Klavierbegleitung, die mir einen leichten Schauer über den Rücken jagt. Man kann sich die „Irren“ fast bildlich vorstellen. Eine gespenstische Stille und ein Hauch von Gruselfeeling hängen im Saal, bevor die beiden Künstler ihren verdienten Applaus bekommen.

Danach folgt ein jäher Sprung zu Franziska Lemme am Gesang, begleitet von Martin Oltsch am Klavier. Die sorgfältig einstudierten Balladen, unter anderem von den Sugarbabes und von Norah Jones, werden sehr gefühlvoll vorgetragen und die Zuschauer sind sichtlich berührt. Ich hoffe auf mehr Darbietungen dieser Art.

Der Abend verklingt mit Sven Flock, der sich beim Barjazz am Flügel total verausgabt und der sich anschließend mit einem schelmischen Grinsen auf dem Gesicht und den Worten: „Es gibt so viele schöne Filmmusiken. Ich konnte mich nicht entscheiden, deswegen spiel ich sie jetzt alle“ seinem Keyboard zuwendet. Man lauscht berühmten und beliebten Filmmusiken, wie z.B. aus „Zurück in die Zukunft“, „Star Wars“ und aus „Der Herr der Ringe“. Auch jetzt ist noch volle Konzentration beim Publikum, keine Spur von Ermüdung.

Nach dem Überreichen der letzten Rose an Frau Rodenberg treten die Zuhörer leicht beschwingt und zufrieden den Heimweg an.

Mittlerweile haben sich die Musenhäppchen mit einigen Stammgästen bzw. Stammmitwirkenden zu einem soliden Kulturhighlight im Semester gemausert, die mit ihrem unvergleichlichen Flair auch in Zukunft hoffentlich noch viele Herzen erobern werden.

von: Talinga Östreicher
Kategorie(n): Bericht
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Gehaltvolle Paukenschläge

Musenhäppchen von Studenten mit Texten und Musik

Sie sind etwas Besonderes, die Erlanger „Musenhäppchen“. Jedes Semester stellen junge Künstler und kreative, engagierte Studenten ein vielfältiges, abwechslungsreiches Abendprogramm zusammen, das durch die unterschiedlichen Beiträge zu einem unterhaltsamen und kurzweiligen Mix aus Musik und Theater wird.

Dieses Semester konnte man von zarten, leichten Musenhäppchen jedoch nur im Zusammenhang mit den feinen, kleinen Schnittchen sprechen, die getreu dem Motto des Abends in der Pause angeboten wurden. Denn das Programm selbst bot vielmehr sehr kunstvoll, oft erstaunlich professionell, ernst und gehaltvoller inszenierte Paukenschläge, sowohl, was die Thematik, als auch was die Umsetzung angeht.

Intensive Schauspielleistung

Der Abend im gut gefüllten Studentenhaus beginnt mit der Inszenierung des ersten Aktes des Theaterstückes „Sterne“, das zwei junge Pärchen beleuchtet und sich mit eher schwerer wiegenden Themen, wie Selbstfindung und Beziehung, auseinander setzt. Die durchaus sehr überzeugende, intensive Schauspielleistung schafft es hier, den nur subjektiven, phrasenhaften Text durch viel Gestik, Mimik und Dynamik dramatisch zu untermalen.

Dieser nicht gerade leichten Kost folgt ein musikalisches Duo, das sich mit Akkordeon und Klarinette drei verschiedenen Klezmern widmet. Die flotten, virtuos und auf hohem Niveau gespielten, lebendigen Stücke schaffen eine angenehm gelöste und heitere Atmosphäre.

Paul S. Wolff nutzt die „Musenhäppchen“ im Anschluss hingegen einfach als Podium, um Selbstgedichtetes vorzutragen und beeindruckt die Zuhörer neben eher unauffälligen Texten vor allem durch eine sehr überraschende, unerwartete, bissig-provokative Pointe.

Der Lyrik folgt dann wieder Musik, die „Ungarische Rhapsodie cis-Moll“ wird auf dem Flügel zum Besten gegeben, wobei die vielen harten Disharmonien in fortissimo das entspannte Zuhören leicht erschweren.

Nach der Pause trägt eine Sprecherin unter Klavierbegleitung „Die Irren“ von Thomas Bernhard vor, ein selten unheimliches, merkwürdiges und düsteres Gedicht, welches gerade durch seinen stimmigen, eindrucksvollen Vortrag und die musikalische Begleitung seine ganze Stimmung entfalten kann.

Der folgende Beitrag dagegen ist ein dezentes, wirklich unterhaltsames, im Vergleich leichtes und leises, dafür nicht weniger ansprechendes Musenhäppchen. Franziska Lemme singt mit Klavierbegleitung drei Balladen, die sie sehr gefühlvoll und stimmsicher intoniert.

In Sachen ohrenbetäubender Lautstärke, aber auch verblüffender Virtuosität nimmt der Abend schlussendlich seinen Höhepunkt. Sven Flock, sicherlich und unbestritten ein absolutes Ausnahmetalent, was Klavier- und Keyboard-Spiel anbelangt, ringt dem Flügel im gespielten Blues und Barjazz eine derartige Lautstärke ab, dass sie den Ohren der Zuhörer einiges abverlangt. Der sympathische junge Mann erweitert das Repertoire dann noch, indem er zwischen Flügel und Keyboard, an dem er die Themen bekannter Filmmusiken anspielt, hin und her wechselt und den bunten, wirklich eindrucksvollen Abend somit wortwörtlich ausklingen lässt.

von: Lisa Koch (ERLANGER NACHRICHTEN)
Kategorie(n): Bericht
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Programm: Musenhäppchen am 30. Jan 07

20:00 h Studentenhaus Erlangen (Langemarckplatz)

Talinga Östreicher & Tom Hofmann

Klezmer

Nikolaus Mühle, Klavier

Liszt: Ungarische Rhapsodie Nr.12 cis-moll

"Sterne" (Auszug)

Ein Stück von Anja Hilling

Regie: Anna-Lena Henkel

"Die Irren und die Sträflinge"

nach Thomas Bernhard

Sprecherin: Julia Bauer

Komposition, Klavier, Ltg.: Hannes Selig

Franziska Lemme & Martin Oltsch

Balladen am Klavier

Sven Flock, Klavier

Blues und Barjazz

von: Bettina Rodenberg
Kategorie(n): Programm
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