Archiv: Januar 2008

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30 Januar 2008

Musenhäppchen – Im Blickfang der Zeit

Ein Konzertflügel – wohlgemerkt ein echter, kein elektronisches, kein billiges Imitat – ein persönlicher Magnet, dem ich nur sehr schwer entrinnen kann. Dass dem Durchschnittsstudenten für solch eine luxuriöse Anschaffung das nötige finanzielle Polster fehlt, steht hier natürlich außer Frage. Sobald aber ein solches Musikinstrument durch Zufall im täglichen Allerlei meine Wege kreuzt (sei es im Kaufhaus, im Hotel, in einer Bar oder bei Freunden), ist jeder Versuch, mich auf ursprünglichen Kurs zurückzulenken, zwecklos. Kein Wunder also, dass ich ganz hellhörig wurde, als ich ein Gerücht über einen freizugänglichen Flügel im Erlanger Studentenhaus auf-schnappte, was sich zu meinem Glück bewahrheitete. Der Weg zu den Musenhäppchen war somit gelegt…

Ich kann nun auf drei Musenhäppchen zurückblicken. Mein persönliches Steckenpferd ist und bleibt der Jazz und Blues und dieses eine Jahr hat mir die Möglichkeit geboten, meine Musik, meine Interpretation und Improvisation anderen Leuten näher zu bringen. In der heutigen Zeit, in der Musik von der Stange produziert wird - wo es an Variation, Tiefe und Innovativem fehlt, bieten mir die Musenhäppchen die Möglichkeit, andere für eine solche Musik zu begeistern und Kontakte zu schließen, welche diese Leidenschaft mit mir teilen. Dies bezieht sich nicht nur auf Jazz, sondern auch auf Klassik und andere Anti-Mainstream-Richtungen.

Kurz gesagt: Was für den Alternativ-Kinobesucher die Lammlichtspiele in Erlangen sind, das bieten für den Musik- und Theaterliebhaber die Musenhäppchen – nicht nur in Erlangen, sondern auch in Nürnberg.

von: Sven Flock
Kategorie(n): Bericht
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Junge Künstler begeistern auch mit kleinen Portionen

Musenhäppchen verzaubern in diesem Jahr Nürnberg

Nach längerer Pause verköstigte das Studentenwerk Erlangen am 30. Januar 2008 endlich auch wieder das Nürnberger Publikum mit den Musenhäppchen, einem offenem Podium für junge Künstler.

Die Bühne im Festsaal des Studentenhauses stand für alle bereit, die ihrer Kreativität und Energie an diesem Abend ein Sprachrohr geben wollten. Die Zuschauer lockten folglich nicht nur die Nahrungshäppchen des Buffets, sondern vor allem die vielfältigen kulturellen Häppchen, die völlig Kalorien frei daher kamen.

Die hochkarätige Cellistin Eilin Hermann beflügelte gleich zum Auftakt die Qualität der diesjährigen Veranstaltung. Ihr mit 27 Jahren bereits sehr eindrucksvoller Lebenslauf verzeichnet unter anderem mehrere Preise im Wettbewerb „Jugend musiziert“ und ein mit 1,0 abgeschlossenes Studium der Allgemeinen Musikerziehung. Entsprechend erwartungsvoll durften die Zuhörer der 3. Suite für Violoncello C-Dur von Johann Sebastian Bach entgegen fiebern. Vom ersten Takt an füllte die Cellistin den Raum aus, als würden gleich mehrere Instrumente ihren gefühlvollen Händen folgen. Versonnen schloss so mancher unten in den Stuhlreihen die Augen, um den tief greifenden Melodien im Geiste zu folgen. Eilin Hermann ließ das Publikum von jeder Facette ihres Instrumentes kosten, bevor sie den letzten Ton in den Raum schickte.

Ein gut aufgelegter Sven Flock stellte sich nun der Aufgabe, an diese Vorlage anzuknüpfen. Um den Übergang auf seine Töne, die am Klavier Blues und Barjazz formen sollten, zu erleichtern, versprach der Künstler zunächst harmonisch vorzugehen. Doch da gerade die gute Mischung dem Publikum an diesem Abend reizvoll erschienen war, fasste es den Umbruch durchweg positiv auf. Schnell riss Sven Flock die Musikliebhaber aus ihrer andächtigen Haltung und entlockte ihnen mit seinen lockeren Zwischensprüchen ein Schmunzeln. Inbrünstig und kraftvoll schlug der Pianist in die Tasten, gern auch länger als geplant. Das Publikum dankte ihm sein mitreißendes Repertoire mit gehörig Applaus.

Durchweg leise Töne schlugen „The Masques“ im Anschluss an. Obwohl die Band den Sound an diesem Abend zum dritten Mal völlig umkrempelte, zeigte sich das Publikum erstaunlich anpassungsfähig. Getreu ihrem Motto „Quiet is the new loud“ brachten sie Auszüge aus ihrem Revelation-Album auf die Bühne. Ausgestattet nur mit Gitarre und Flügel gelang es den drei Jungs trotz ungewohnter instrumentaler Besetzung ihre ganz spezielle Welt der Klänge im Festsaal zu errichten. „The city in the sea“ kurbelte das Kino in den Köpfen der Zuschauer an, das bis zum letzten Lied der Zugabe nicht mehr aufzuhalten war.

Für den Schlussakkord des Abends rückte die Musik an den Rand der Bühne. Doch dies lediglich rein optisch. Denn Bernd Göppner trug mit seiner Begleitung am Flügel das Stück „Gestalten hoch 3 – eine Romanze serviert in n+1 Episoden“ der Theatergruppe WiSo zu seinen Höhepunkten. Abstraktes sinnlich erfahrbar machen – so lautete die Prämisse der Schauspieler, die sowohl Faust auftreten als auch die Titanic absaufen ließen, um das theoretische Konstrukt Gestalttheorie für die Zuschauer erfahrbar zu machen. In jeder Szene strebten die Schauspieler dem romantischen Moment entgegen, der als Beispiel für die Gestalt im Allgemeinen stehen sollte. Eine gehörige Portion Selbstironie und ein überraschendes Ende sorgten für genügend Lacher und erstaunte Gesichter im Publikum.

Die Muse küsste nun auch wieder die Nürnberger und mit Häppchen für Herz und Magen sorgte der Abend im Festsaal für rundum zufriedene Besucher.

Den nächsten kulinarischen Leckerbissen präsentiert das Studentenwerk voraussichtlich am 13. Mai 2008 am selben Ort. Diesmal gastiert das Sinfonieorchester der Universität aus dem finnischen Jyväskylä, die mit deutschen und finnischen Kompositionen auf Konzertreise gehen.

von: Barbara Herzog
Kategorie(n): Bericht
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Programm: Musenhäppchen am Mi 30. Jan 08

19:30 h Studentenhaus Nürnberg (Andreij-Sacharow-Platz 4)

Eilin Herrmann, Cello

Johann Sebastian Bach

(1685-1750)

3. Suite für Violoncello solo C-Dur

I. Prélude

II. Allemande

III. Courante

IV. Sarabande

V. Bourrée I & II

VI. Gigue

Sven Flock, Klavier

Blues und Barjazz

Paul S. Wolff, Lesung

Masques, Gesang/Klavier/Gitarre

Escape

The City in the Sea

Birds

Pause

Theatergruppe der WiSo

"Gestalten hoch 3 – eine Romanze serviert in n+1 Episoden"

 

Eilin Herrmann, Cello:
Johann Sebastian Bach (1685-1750), 3. Suite für Violoncello solo C-Dur

Zwischen 1717 und 1723 war Bach bei dem Fürsten Leopold angestellt, welcher ein sehr musikliebender Mensch war. In dieser Zeit nahm Bach die Gelegenheit wahr, sich künstlerisch zu verwirklichen und es entstanden zahlreiche kammermusikalische Werke, so auch die Suiten für Violoncello solo. Mit den Tänzen der traditionellen Barocksuite experimentiert Bach mit den Möglichkeiten des Instrumentes. Es beginnt mit einem Präludium, einem Satz mit improvisatorischen Charakter. Es folgen traditionelle Tänze, das zusammengehörende virtuose Paar Allemande und Courante, die gravitätische Sarabande, die Bourée, aus zwei Teilen bestehend, der erste bodenständig, bäuerlich, der zweite weich, schwermütig, geheimnisvoll. Die Gigue ist ein traditioneller Springtanz, was man auch in der Musik hört.

Mit der Solosuite schuf Bach ein geniales Werk, in dem er auf raffinierte Weise Polyphonie erreicht: er überlistet den Hörer und lässt ihn glauben mehr als eine Melodielinie wahrzunehmen.

Eilin Herrmann studierte an der Folkwang-Hochschule in Essen und an der Musikhochschule Nürnberg.

Konzertierende Tätigkeiten hat sie neben dem gewöhnlichen klassischen Repertoire in der Barockmusik, auch auf dem Barockcello, in der neuen Musik und ist auch in der traditionellen irish music tätig. Mit ihrem "Duo al Dente" zusammen mit Elly Döring hat sie sich auf die Aufführung von Tangos von Komponisten wie Astor Piazzolla spezialisiert.

Da sie einige der wenigen professionellen Cellisten Deutschlands mit einer Behinderung an der rechten Hand ist, wurde sie 2003 zum internationalen Handchirurgenkongress eingeladen, hielt dort ein Seminar über das Thema "Musizieren mit Behinderung" und mit anschließendem Konzert im Schloss Montfort.

Sie unterrichtet auf ihrem Instrument in Nürnberg und Umgebung und versucht ihren Schülern die Freude an der Musik und Breite der musikalischen Möglichkeiten nahezubringen.

 

Theatergruppe der WiSo:
"Gestalten hoch 3 – eine Romanze serviert in n+1 Episoden"

Innovativ - Interdisziplinär - International

Studenten im Gestaltenrausch - Theaterseminar der WiSo spielt "Gestalten hoch 3"

Abstraktes sinnlich erfahrbar machen - dieser Herausforderung stellt sich das Theaterseminar der WiSo Nürnberg in "Gestalten hoch 3 - eine Romanze serviert in n+1 Episoden".

Dem Auftritt geht ein Jahr intensive Vorbereitung im begleitenden Seminar voraus, dessen Ergebnis auch die Studenten selbst entgegenfiebern. Das Stück stammt aus ihrer Feder, tatkräftig unterstützt von den Kursleitern Arne Bethmann und Simon Haagen. Die beiden Sozialwissenschaftler übernehmen in Gestalten hoch 3 die Regie.

Für den Zuschauer findet die Gruppe einen ganz eigenen Zugang zum Thema Gestalttheorie, fernab von überfüllten Lehrsälen und voll skurriler und überraschender Augenblicke. Dabei steht die Romantik im Mittelpunkt, soviel darf schon mal verraten werden. Die einzelnen Episoden führen das Publikum durch die vielschichtige Landschaft der Liebe, und finden trotzdem immer wieder den Gestaltbezug.

Die Studenten nutzen dabei ihre szenischen Fähigkeiten, die sie bei Übungen aus dem Körper-und Improvisationstheater gewonnen haben.

von: Uwe Scheer
Kategorie(n): Programm
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