Archiv: Januar 2011
« März 2011 | Home | Dezember 2010 »
14 Januar 2011
Beethoven und die Musenhäppchen
Ludwig van Beethoven hat einmal die schlauen Worte von sich gegeben, Musik sei höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie. Das ist gerade für den vom Alltag geplagten Akademikernachwuchs eine interessante, aber meist wenig hilfreiche Aussage. Dies gilt wohl insbesondere kurz vor Weihnachten, wenn die suggerierte winterliche Beschaulichkeit durch Hektik und Klausuren ersetzt werden muss. Auch aus diesem Grunde waren die Wintermusenhäppchen 2010 im Festsaal des Studentenhauses eine gute Anlaufstelle, um kurzzeitig vom Alltagstrubel loszulassen und in diese besagte höhere Offenbarung einzutauchen.
Doch es ging nicht nur um den Musikgenuss, es ging auch darum, den neuen Flügel gebührend einzuweihen. Gleich mehrere Pianisten/-innen beteiligten sich daran, wobei das Spektrum von norwegischer Romantik von Edward Grieg bis hin zu zeitnaher, aber nicht weniger romantischer Klaviermusik mit Gesang der britischen Songwriterin Nerina Pallot reichte. Auch ich hatte das Vergnügen, auf diesem neuen Instrument ein Stück von Rachmaninoff interpretieren zu dürfen. Der feine Anschlag verbunden mit einem runden Klang haben mir als Spieler sehr viel Spaß gemacht, auch wenn die dominanten Basslagen die Ausgestaltung einer weichen Oberstimme erschweren.
Jenseits der Klaviermusik konnten die Zuhörer eine umso weitere musikalische Bandbreite genießen. Gerade diese Bandbreite ist es, die mich persönlich besonders beeindruckt hat. Durch verschiedene musikalische Charaktere gewinnt man den Eindruck, an einem Abend einmal durch die gesamte musikalische Welt geführt zu werden. Das schließt natürlich auch die so unterschiedlichen Gefühle mit ein, die jeder mit bestimmter Musik verbinden mag. Ob es nun die Jazzmusik war, die einem mit einer für mich großartigen Bläserbesetzung Bilder andere Kulturen, zum Teil orientalisch, zum Teil afroamerikanisch, vor Augen führte. Oder eine verträumte Stimmung mit Gesang zu Klavier. Oder die in fünf Stücken generell sehr variantenreiche Musik der Band „Schleuse“.
Ein ganz besonders kontrastreiches, dadurch aber mit Nichten unpassendes Programm stellte die „Studiobühne Erlangen“ mit zwei Theaterstücken vor. Lachte das Publikum im einen Moment noch, so geschockt erlebte es man nur Momente später, wenn von den Pro- und Antagonisten die Absurdität der Gesellschaft verschiedener Zeiten auf die Spitze getrieben wurde.
Da ich das erste Mal dabei sein durfte, mag mein Resümee des Abends wohl nicht generell valide sein, allerdings hat mir diese Ansammlung an verschiedenartiger Musik, Stimmungen und Dramatik sehr gut gefallen. Die dankenswert von der Mensa zubereiteten Häppchen komplettierten das Programm in wunderbarer Weise und boten die Gelegenheit, in den Pausen ins Gespräch zu kommen. Deshalb gilt der Dank zum einen der Mensa für die Zubereitung der Häppchen und zum anderen den Organisatoren und Teilnehmern für die Musen. Ich möchte die Musenhäppchen somit jedem ans Herz gelegt, der sich mit dem Gedanken trägt, selbst mitzumachen oder einfach bei der Veranstaltung dabei zu sein, um ein Stück dieser Beethoven'schen Idee mitzunehmen.
Bunte Mischung bei weißem Schnee
Das Wetter war den Gästen, die dieses Jahr an einem Montag Mitte Dezember in die Mensa strömten, gewogen. Es lag zwar viel Schnee, dennoch erreichten die meisten ihr Ziel pünktlich und ohne größere Schwierigkeiten.
Den Anfang machte Julia Koch mit zwei Klavierstücken, wobei sie ihr Talent sowohl im klassischen Bereich, als auch mit dem bekannten „Entertainer“ unter Beweis stellte. Als zweites spielte das Duo „NimmZwo“ äußerst unterhaltsam mit ihren Saxophonen auf. Anschließend begab sich eine Gruppe Schauspieler der Studiobühne Erlangen auf die Bühne der Mensa und zeigte zwei Szenen aus dem Stück „Verbrennungen“ von Wajdi Mouawad. Besonders stach der aus zehn Leuten bestehende Chor hervor, durch dessen Stimmgewalt die Szenen besondere Ausdruckskraft bekamen. Dem folgte erneut Klaviermusik, dieses Mal rein klassisch, aber ebenso gut vorgetragen von Florian Schober. Vor der Pause erfreute die Kombo „Woodlines“ mit selbst komponierten Stücken, gespielt von unterschiedlichen Klarinetten und einem Saxophon.
Die Pause war bestimmt von den obligatorischen Häppchen und anregenden Gesprächen zwischen Künstlern und Publikum. Im Anschluss trug Eva Hoffmann stimmgewaltig einige Lieder vor, wobei sie vom Klavier begleitet wurde. Als Nächstes gab es erneut Theater von der Studiobühne, dieses Mal aus dem Stück „Die Ballerina“. Hierbei fanden neben den beiden Szenen besonders die historischen Kostüme Beachtung. Diese Darbietung wurde eingerahmt von Gesang, denn danach gaben sich Marion Schweighart und Micha Burger mit Gesang und Klavier die Ehre. Den Abschluss bildete die Band „Schleuse“, bestehend aus Banjo, Gitarre, Cello, Bass, Schlagzeug und diesmal männlichem Gesang. Mit schmissigem Folk Rock waren sie ein gelungener Ausklang für diesen bunt gemischten Abend und ließen die Zuschauer sehr viel beschwingter in den Schnee zurückkehren, als sie gekommen waren.